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| Der Grosse Crash 1929: Ursachen, Verlauf, Folgen. Mit einem Vorwort von Prof. Dr. Max Otte
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Aus den vergangenen Crashs gelernt?
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Wohl kaum ein Ereignis der Wirtschaftsgeschichte hat die Welt so geprägt wie der Boom der 20er Jahre, auf den ein Crash im Jahr 1929 und eine tiefe Depression in den 30ern folgte. John Kenneth Galbraith hat diese Phasen aufgearbeitet und zieht interessante Parallelen zum heutigen Geschehen.
Demnach gab und gibt es beachtenswerte Parallelen zwischen den Kursstürzen 1929 und 1987. Auch im Jahr 1987 war Leverage das Problem. Es wurde also mit zu viel Hebel spekuliert, ein Fakt, der auch heute nicht unbekannt ist und durchaus als eine Sub-Ursache der aktuellen Krise gesehen werden kann. Auch in 1987 sieht Galbraith zu niedrige Zinsen, also eine zu laxe Geldvergabe, als Hauptgrund für den 87er Crash. Reagan wollte durch Rüstung den Kampf der Systeme gewinnen, niedrigere Zinsen und überbordende Haushaltsdefizite mussten dieses Unterfangen flankieren. Dann folgte die Panik vom Oktober 1987, die eine weltweite Panik gewesen war. In 1929 war die Börsenpanik dagegen eine amerikanische, mit weltweiten Konsequenzen.
Galbraith kann auf einfache Weise erklären, wie die Ära der goldenen 20er Jahre ihren Lauf nahm, wie Spekulationsblasen etwa am Immobilienmarkt entstanden und wie jeder auf der Jagd nach dem goldenen Kalb gewesen war. Auch schafft er es, die Kennzeichen für das sich abzeichnende Ende des Booms herauszuarbeiten und geht dabei relativ feingliedrig vor. Wenn der Autor eine Unterscheidung zwischen Spieler und Investor zitiert, wird das Buch sogar atmosphärisch relativ dicht, wenngleich richtige Nähe zum Geschehen nicht aufkommen mag. Um beim Zitat zu bleiben: Bei einem Spieler verliert stets ein anderer, bei einer Investition gewinnen alle, irgendwie jedenfalls. Die Kräfte und Mechanismen hinter spekulativen Verzerrungen kommen bei Galbraith nicht zu kurz. Aber er spitzt auch zu, etwa wenn er schreibt, jeder Boom ginge einmal zu Ende, auch jener der 20er Jahre. Fir das hier und Jetzt hat dies auch seine Berechtigung.
Wenn Galbraith in leicht verständlichen Worten beschreibt, wie wenig selbst J. P. Morgan in der Lage war, der Lage Herr zu werden, wird die Ausnahmesituation des Jahres 1929 deutlich. Es wird klar, dass die Panik von 1907 im Schatten der Ereignisse von 1929 steht. Schließlich stellt Galbraith die Frage, was heute anders ist als 1929 und ob es nochmals zu so einer Kernschmelze kommen kann. Die Antwort fällt ernüchternd aus. Zwar wären die heutigen Systeme reifer und besser abgesichert, jedoch sollte es das System lieber nicht darauf ankommen lassen. Echte Zuversicht, wir hätten signifikant hinzu gelernt, klingt irgendwie anders.
Eine Rezension von Tobias M. Karow >
vom 28. Juni 2010 | | |
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