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| Krankes Geld - kranke Welt: Analyse und Therapie der globalen Depression von
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anschaulich und lehrreich
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Alle meine Rezensionen ansehen (TOP 500 REZENSENT) Rezension bezieht sich auf: Krankes Geld - kranke Welt: Analyse und Therapie der globalen Depression (Broschiert) Dieses Buch bietet am Beispiel der aktuellen Finanzkrise eine Einführung in die Konjunkturtheorie.
Nach einer Definition und kurzen Geschichte des Geldes werden die wichtigsten Begriffe definiert. Inflation ist demnach die Ausweitung der nicht durch Gold gedeckten Geldmenge, Deflation das Gegenteil. Teuerung bedeutet steigende Preise, Vergünstigung sinkende Preise. In den Wirtschaftswissenschaften werden diese Begriffe leider nicht strikt getrennt, sodass dann nach den Ursachen der Inflation (korrekt: Teuerung) gesucht wird, ohne die Ausweitung der (ungedeckten) Geldmenge durch die Zentralbank zu beachten. Man schiebt die Teuerung dann einfach auf Spekulanten, Öl- oder Energiekonzerne, welche jedoch ihrerseits nur auf die Geldpolitik reagieren. Inflation führt u. a. zu kurzfristigem Denken, Scheingewinnen, Vermögensumverteilung, Teuerung und untergräbt auf die Dauer die Moral der Gesellschaft.
Geld wird heutzutage nicht einfach von der Regierung oder deren Zentralbank gedruckt, sondern von den Geschäftsbanken "geschöpft". Durch die geltenden Mindestreservesätze können die Banken das bei ihnen eingezahlte Geld mehrfach verleihen. Bei einem System mit 100-%-Reserven könnten Sichteinlagen nicht verliehen werden und die Banken würden für die Kontoführung Gebühren verlangen. Da die Banken die Einlagen der Kunden jedoch in der Realität nicht vorhalten (sie sind ja zwischenzeitlich verliehen worden), ist das Finanzsystem notwendiger Weise fragil und es kann zu Bankenstürmen kommen, wenn viele Kunden ihr Geld abheben wollen.
Eine Konjunkturtheorie sollte erklären können, warum es immer wieder zu gehäuften Fehlentscheidungen von Unternehmern kommt. Dass Unternehmer Fehler machen, gehört zur Marktwirtschaft; aber warum sollte sich die Mehrheit gleichzeitig irren? Die einzige korrekte Konjunkturtheorie ist die der Wiener bzw. Österreichischen Schule der Volkswirtschaftslehre. In einer freien Marktwirtschaft findet sich durch Angebot und Nachfrage ein Gleichgewicht auf dem Kreditmarkt (natürlicher Zins). Die Banken können jedoch durch Geldschöpfung mehr Geld verleihen, als ihnen angeboten wird (Zirkulationskredit); dadurch senken sie den Zins unter das Niveau des natürlichen Zinses. Der zu niedrige Zins sendet dann fatale Signale aus: (1) Sparen lohnt sich nicht, sodass die Leute ihr Geld abheben und ausgeben; (2) die Unternehmen investieren mehr. Man kann das Geld jedoch nur einmal verwenden; die Entscheidungen der Unternehmer entsprechen nicht den Wünschen der Kunden. Es kommt zu Fehlinvestitionen. Wenn der Zins steigen sollte (die Zentralbank veranlasst das, wenn Teuerung vermieden werden soll), werden die Fehlinvestitionen unrentabel und es kommt zu Arbeitslosigkeit. Die Banken schränken dann die Kreditvergabe ein, weil die Sicherheiten ihrer Schuldner wertlos sind und sie nicht selbst zahlungsunfähig sein wollen. In diesem Fall kann man eine Deflation zulassen, was über sinkende Preise zu einer Belebung der Wirtschaft führt. Die Zentralbank kann aber auch über eine erneute Zinssenkung und passende Maßnahmen versuchen, eine Rezession zu vermeiden. Das verschiebt aber nur die notwendige Korrektur; sie ist unvermeidlich.
Ein Blick auf die Weltwirtschaftskrise von 1929 zeigt, dass diese durch die zu lockere Geldpolitik der amerikanischen Zentralbank unvermeidlich wurde. Die Zentralbank sorgte damals zwar für relativ stabile Preise; aber ohne ihre Geldpolitik wären die Preise auf Grund des Wirtschaftswachstums gesunken. Präsident Hoover verschärfte die Weltwirtschaftskrise durch höhere Zölle, welche einen weltweiten Handelskrieg auslösten. Präsident Roosevelt setzte diese Politik der Staatseingriffe fort (Schwächung des Goldstandards, hohe Steuern, Regulierungen, Preiskontrollen, unproduktive Beschäftigungsprogramme). Als sich eine Erholung der Wirtschaft abzeichnete, trat 1937 eine neue Gesetzgebung zu Gunsten der Gewerkschaften in Kraft, was über steigende Löhne zwangsläufig zu höherer Arbeitslosigkeit führte. Man kann deshalb im Gegensatz zu dem heutigen Vorsitzenden der amerikanischen Zentralbank, Prof. Bernanke, aus der Weltwirtschaftskrise nicht die Lehre ziehen, dass man eine Deflation vermeiden müsse. Gerade die Vermeidung einer notwendigen Deflation durch die Regierung vertiefte und verlängerte die damalige Große Depression.
Was bringt uns die Zukunft? Es gibt drei mögliche Szenarien:
1. SOZIALISMUS. Die Krise kann die Bevölkerung dazu verleiten, dem Staat mehr Macht zu geben (siehe u. a. die Diskussion um das Bankgeheimnis in Liechtenstein). Das bedeutet, dass der Markt durch Politik ersetzt wird. Durch die schrittweise Zurückdrängung der Geldwirtschaft muss der Lebensstandard sinken; das Endergebnis ist eine diktatorische Planwirtschaft.
2. NIEDERGANG. Das System der staatlichen Zentralbanken kann durch entsprechende Geldpolitik noch einige Jahrzehnte überdauern. Irgendwann wird es wie das Römische Reich an staatlichen Interventionen, unbezahlbarem Sozialstaat und wertlosem Geld zu Grunde gehen.
3. KAPITALISMUS. Wenn man einen harten Übergang mit hoher Arbeitslosigkeit, vielen bankrotten Firmen und vorüber gehendem Chaos in Kauf nimmt, kann eine nachhaltige Reform des Systems gelingen. Dazu sind mehrere Maßnahmen erforderlich: (1) Entmachtung (besser: Abschaffung) der Zentralbanken, (2) Einführung eines (möglichst privaten) Warengeldes wie Gold oder Silber sowie (3) strikte Befolgung einer 100%igen Deckung von Sichteinlagen (Termineinlagen können weiterhin verliehen werden). Nur der Kapitalismus vermeidet Konjunkturzyklen. Die Sozialhilfe müsste dann allerdings durch private Wohltätigkeit ersetzt werden.
Der Anhang des Buches gibt einen Überblick über das Werk der bedeutendsten Vertreter der Wiener Schule (Menger, Böhm-Bawerk, Mises, Hayek, Rothbard) und schlägt weiter führende Literatur vor.
Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Alle Definitionen sind kristallklar und die daraus abgeleiteten Konsequenzen und Analysen folgerichtig. Die Darstellung der Konjunkturtheorie ist zwar relativ kurz, aber gut gelungen. Sie wird an Hand von Hayek'schen Dreiecken dargestellt, welche die Auswirkungen der Geldpolitik auf die Produktionsstruktur der Volkswirtschaft veranschaulichen. Aktuell anmutende Zitate aus den letzte 200 Jahren, Diagramme, Tabellen und Übersichten runden das Buch ab. Ich kann das Buch jedem empfehlen, der sich für die Bankenkrise bzw. Konjunkturpolitik interessiert. Aspekte der Bankenkrise, die nicht die Geldpolitik betreffen (z. B. die US-Hypothekenvermittler Fannie und Freddie bzw. die amerikanische Gesetzgebung) werden jedoch nur am Rande erwähnt, weil sie nicht dem Schwerpunkt auf Konjunkturtheorie entsprechen.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 16. Mai 2010 | | | | | | | |
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